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Torre Pellice 2021

Von Waldenser*innen und Partisan*innen – oder wie Bildung dein Handeln beeinflussen kann

In der Nacht vom neunten Oktober bis zum frühen Morgen des zehnten Oktobers 2021 machten sich 18 junge Menschen aus Dortmund auf den Weg nach Italien – genauer gesagt nach Torre Pellice, einem kleinen Dorf in der piemontesischen Bergregion – auf den Spuren von Waldensern und Partisanen.

Bericht über eine gemeinsame Studienreise der Evangelischen Jugend Dortmund und der Botschafter*innen der Erinnerung in Dortmund.

Zwanzig Monate dauerte der antifaschistische Widerstand in der piemontesischen Bergregion. Er begann im September 1943 mit der Besetzung Norditaliens durch die deutsche Wehrmacht und endete mit der Kapitulation im April 1945. Auf der Studienreise besuchten die 18 Teilnehmenden Orte, die im Zusammenhang mit dem Widerstand stehen und erfuhren mehr über die Menschen und ihre Beweggründe. Im Mittelpunkt stand dabei der Widerstand von Christ*innen, insbesondere der protestantischen Waldenser*innen. Die über 800-jährige Geschichte der Waldenser*innen ist geprägt vom Kampf um Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die historischen Erfahrungen prägten auch das Handeln während des Faschismus. Die Waldenser*innentäler waren traditioneller Rückzugsort und ein Hort des Widerstandes gegen den Faschismus. Dort fanden verfolgte jüdische Menschen Zuflucht und der Widerstand wurde aktiv unterstützt.

Und in eben diesen Tälern haben sich die Teilnehmenden sowohl mit der Geschichte der Waldenser*innen, als auch mit der Geschichte des Italienischen Widerstandes während des Zweiten Weltkrieges auseinandergesetzt. Für einige mag die Auseinandersetzung mit so viel Geschichte nun trocken und theoretisch klingen, das war diese Studienreise aber keineswegs. Auf den schmalen Bergpfaden hoch in den wunderschönen Cottischen Alpen wurde die Geschichte sowohl der Waldenser*innen als auch der Partisan*innen lebendig. Während einige Teilnehmende schon damit zu kämpfen hatten, nur sich selber die steilen Pfade hoch zu bringen, haben sowohl die Waldenser*innen als auch später die Partisan*innen genau diese steilen Pfade genutzt, um sich und ihre Bücher oder ihre Ausrüstung, die sie im Kampf gegen die Unterdrückung benötigten, in Sicherheit zu bringen. So zum Beispiel bei der geheimen Barbenschule im Angrogna Tal, einer zu damaligen Zeiten gesetzeswidrigen Ausbildungsstätte mittelalterlicher Wanderprediger oder der versteckten Druckerei in der Felsensiedlung Barma de l’Ours. In ihr haben die Partisan*innen hunderte von Flugblättern gedruckt, mit denen sie zum Widerstand gegen die Faschist*innen aufgerufen haben. Was den Teilnehmenden gerade an diesen beiden Beispielen auch deutlich wurde, ist wie wichtig Bildung als Grundlage für eigenständiges Denken und Handeln ist.

Weniger schweißtreibend, dafür aber sehr informativ waren der Besuch im Widerstandsmuseum in Turin und der Besuch einer jüdischen Synagoge in Saluzzo. An Saluzzo ist deutlich zu sehen, wie sehr die jüdische Gemeinde darum bemüht war nicht aufzufallen. Besonders zeigt sich dies an der Lage der Synagoge. Sie wurde in den obersten Stock eines ganz normalen Wohnhauses gebaut und weist keine Fassadenelemente auf, die auf ihre Anwesenheit hinweisen. Von außen ist sie also gar nicht zu sehen.

Ein weiterer ganz und gar nicht trockener Programmpunkt war das Zeitzeugengespräch mit einem Partisanen. Das Gespräch mit dem Zeitzeugen war sehr bewegend. Auch wenn er zum Teil anekdotenhaft über seine „Abenteuer“ als Partisane erzählte, hat er doch auch sehr deutlich gemacht, wie grausam Faschismus sein kann. Aus seinen Erfahrungen heraus, sind ihm solche Gespräche mit jungen Menschen besonders wichtig. Er möchte mit diesen Gesprächen dazu beitragen, dass die Menschen lernen. Es darf „nie wieder einer ganzen Generation die Jugend gestohlen werden“.

Diesem sehr deutlichen Statement schließen sich die 18 Teilnehmenden aus Dortmund an. Als Botschafter*innen der Erinnerung und als Mitarbeitende der Evangelischen Jugend Dortmund wollen sie sich dafür einsetzen, dass Faschismus und Rassismus nicht die Oberhand in Dortmund gewinnen, sondern Diversität überall gelebt werden kann.

Evangelische
Jugend Dortmund

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44145 Dortmund
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