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Ein Tag mit Dir im Paradies ...

... schallt es über die Schiffe im Hafen von Hoorn am Ijsselmeer, die im "Päckchen" nebeneinander liegen und für die jugendliche Seglergemeinde im Sonnenuntergang eine behaglichliche Atmosphäre schaffen.

Michaela und Phillip stehen im warmen Sonnenlicht und singen voller Inbrunst einen Song der Schlagersängerin  Andrea Berg. Um sie herum klatschen andere Jugendliche den Takt dazu.  Phillip singt und spielt gut E-Piano und Michaela tanzt und trällert dazu. Was für ungeübte Zuhörende disharmonisch und schräg klingt, freut die Gruppe der Evangelischen Jugend Dortmund. Denn diese Gruppe hört den Song mit der Erfahrung der gemeinsamen Zeit - fünf Tage auf dem inklusiven Plattbodenschiff Lutgerdina, segeln nach Terschelling, Trockenfallen im Wattenmeer und mit dem Schiff direkt in die Innenstadt von Amsterdam. Fünf Tage haben  zwanzig junge Menschen zusammen auf einem Schiff gelebt. Acht von ihnen hatten eine Behinderung. Sie haben einiges zusammen erlebt: navigieren, segeln, kochen, essen, abspülen, schwimmen gehen und relaxen. In diesen Tagen wird in Deutschland viel über Inklusion geschrieben und geredet - auf diesem Schiff nicht. Hier geht es darum, dass alle mit anpacken können, die Segel richtig setzen und den richtigen Kurs bekommen ist wichtig. Und es geht immer vielmehr als man denkt! Jenny (24 Jahre alt) aus Dortmund zum Beispiel ist Spastikerin und sitzt im Rollstuhl - normalerweise hat sie eine Assistentin dabei, die ihr in allen Lebenslagen hilft. Hier nicht. Sie redet ohne Talker (einer Art Übersetzungscomputer) und wird verstanden oder sie hilft mit ihrem E-Rolli das Fogsegel zu setzen, indem sie die Seile mit dem Rolli zieht, bis das Segel oben ist. Jaqueline (was hat sie?) lernt, dass sie viel mehr kann, als sie dachte und dass sie eigentlich nicht immer Hilfe bei den alltäglichen Angelegenheiten braucht.

Till (21 Jahre) hat sich mit Alex (16 Jahre) und Christian (16 Jahre) angefreundet. Sie haben sich eine Kajüte geteilt. Alex und Christian haben von Anfang an einfach mit angepackt, wenn Till etwas brauchte und hatten jede Menge Spass miteinander. Wenn sie zusammen einkaufen gegangen sind, hat Till alle Klamotten mit seinem E-Rolli nach Hause gefahren. 

Was sich wie eine romantische Geschichte der Großstadtkrokodile für Inklusion anhört, ist bei uns eine Woche lang real. Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten und Unangenehmes - man braucht Geduld, um heraus zu finden, was die einzelnen brauchen. Da werden bestimmte Sätze auch zwanzig Mal wiederholt. Und es ist auch anstrengend immer bereit zu sein, etwas für andere zu tun, findet Kiki eine Teamerin. Inklusion ist auch anstrengend. „Einfacher oder bequemer geht es immer, aber diese Erfahrung vergißt niemand“, sagt Philipp, der im Team schon seit Jahren mitverantwortlich ist. …. „Wenn alle mitanfassen bekommen wir den richtigen Kurs und das ist gelungen auf diesem Tör“, meint auch Alex, der Grundschullehrer werden will.

Wenn am Ende Michalea und Phillip "ein Tag mit Dir im Paradies" anstimmen  und alle aus der Gruppe begeistert zuhören,  dann hat das nichts mit Sozialromantik zu tun.  Es ist vielmehr ein Ausdruck dafür, dass alle zusammengewachsen sind  und dass alle sich trauen so zu sein, wie sind wirklich sind. Mit kleinen oder großen Handicaps,  mit verstecken Macken und ganz viel Lebensfreude! Seit Mai 2013 macht die Evangelische Jugend Dortmund in Kooperation mit dem Verein Sail Together e.V. barrierefreie Segelangebote auch für Rollifahrende auf dem Dortmunder Phönixsee. Kontakt, Informationen und die Möglichkeit zum Buchen finden Sie auf der Homepage www.ej-do.de oder  direkt bei Dirk Loose 0231-847969-34. 

Evangelische Jugend Dortmund

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Markus-Evangelium 9,24