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Berlin 2019 - Auf den Spuren der Friedlichen Revolution

Auf unserer Reise nach Berlin haben wir viel gelernt und gesehen – aber vor allem ist uns bewusst geworden, dass die Friedliche Revolution gar nicht so friedlich war, wie der Name zu sagen scheint…

Am Freitag den 03.10 kommen wir in Berlin in unserem Hostel, dem „Industriepalast“ an. Es ist nicht weit von der Spree, die sich durch Berlin zieht, und der East Side Gallery. Nach unserer Ankunft machen wir eine Tour mit Moritz, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter aus dem Kirchenkreis Dortmund, der jetzt in Berlin lebt. Er führt uns durch die East Side Gallery, wir laufen zum Reichstagsgebäude, durch das Familienfest zum „Tag der Deutschen Einheit“ am Brandenburger Tor, von dort dann Richtung Check Point Charlie … durch den Lustgarten am Berliner Dom über den Alexanderplatz vorbei am Fernsehturm bis hin zum Tränenpalast. Wir stoppen immer mal wieder um unserem Begleiter zuzuhören, der uns erzählt, dass Deutschland zuerst in vier „Besatzungszonen“ gegliedert war und dann in zwei Länder geteilt wurde, in die westliche Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die östliche Deutsche Demokratische Republik (DDR).

Am 13.August 1961 baute die DDR Regierung eine Mauer zwischen sich und der BRD, mitten durch die Stadt Berlin. Damit war die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten fast unüberwindlich. Die Mauer - ganze 3,60m hoch und nach einiger Zeit umfasste sie eine Länge von rund 160 Kilometern um und durch ganz Berlin.

Am zweiten Tag unserer Reise besuchen wir die Bernauer Straße und sehen, wie ganze Nachbarschaften, Freundschaften und Familien getrennt wurden. Wir alle können uns nicht annähernd vorstellen, unter welchen Umständen die Menschen hier in Ost- und Westberlin früher gelebt haben. Die Spree in der Nähe unseres Hostels in Friedrichshain kann man heute bei einem gemütlichen Spaziergang überqueren. Früher war sie unter anderem die Grenze zwischen DDR und BRD. Die Menschen versuchten hier zu fliehen indem sie rüber schwammen oder Tunnel gruben, wie wir am zweiten Tag unserer Reise in der Bernauer Straße erfahren. Dort wurden mehrere Tunnel gegraben um eine Flucht aus der DDR zu ermöglichen. Mitunter sehen wir auch das berühmte Foto des Sprungs über den Stacheldraht. Unsere Tour mit Crossroads zeigt uns einige besondere Stellen der Flucht und wie auch die Kirche versucht hat zu protestieren. Wir besuchen die Kapelle der Versöhnung, die gesprengt worden war, um die Mauer zu erbauen.

Die meisten flohen vergeblich. Sie wurden erschossen oder ertranken in dem Sog der Spree. Die Hoffnung wurde jedoch nicht aufgegeben.

Es gab Widerstand.

Not macht erfinderisch. Die Menschen überlegten sich alles Mögliche und selbst wenn sie nicht fliehen konnten fanden sie einen Weg westliche Produkte, wie in der DDR zensierte Zeitschriften oder Musik, zu erlangen. Nach einiger Zeit der Teilung Deutschlands gab es Aufstände und Demonstrationen. Wie der Aufstand des 17. Juni 1953 zeigt, wo die Bürger gegen die Erhöhung der Arbeitsnorm protestierten. Mehr Fluchten wurden geplant und durchgeführt. Manche endeten im Tod, andere hatten Erfolg. Freunde, Bekannte und Familienangehörige aus der BRD reisten ein und besuchten ihre Liebsten. Es gab Möglichkeiten und Wege. Doch von Freiheit und Frieden konnte man nicht sprechen.

Die Menschen kämpften. Ende der 1980er Jahre begannen wöchentliche Demonstrationen und Ausreisewellen nach Ungarn und Tschechien, von wo aus man eher in die BRD kam. Ost und West wollte die Wiedervereinigung Deutschlands.

Als Günter Schabowski am 9. November 1989 im Fernsehen bekannt gab, dass man nun ausreisen dürfe, stürmten die Menschen die Grenzen. Die Mauer fällt!

Wir besuchen den Tränenpalast, der früher ein Grenzübergang war. Heute ist dort ein Museum. Ich sehe ein Video der Bekanntgabe des neuen Gesetzes. Wie Menschenmassen abends zur Mauer gingen in der Hoffnung auf Freiheit. Unser Begleiter von Crossroads erzählt uns eine Geschichte, die er selbst erlebt hatte, da er als Kind in der DDR gelebt hatte. Im früheren Westen stand an diesem Abend eine Frau nur im Nachthemd und einer Jacke dort und hielt ein Tablett mit Leberwurstbroten (die es im Osten nicht häufig gab) in der Hand um die Menschen aus dem Osten zu begrüßen. Jemand fragte sie, ob ihr nicht kalt sei und sie sagte, dass sie sich so freue, dass sie das gar nicht merkte. Das Video im Tränenpalast zeigt mir die Freude und den Triumph der Menschen und das Gefühl von Gemeinschaft und Freiheit.

Mich überkommt ein Schauer - was musste das für ein unglaublicher Moment gewesen sein.

Am Sonntag den 06.10 fahren wir wieder zurück. Alle noch in Gedanken an die Geschehnisse unserer deutschen Geschichte. Und an die ganzen Informationen, die wir in uns aufgenommen haben. Für uns ist der Tag der Deutschen Einheit ein noch wichtigerer Tag geworden, den jeder viel mehr feiern sollte.

Evangelische Jugend Dortmund

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Suche Frieden und jage ihm nach! 
Psalm 34,15